Projektbeschreibung

„Namen und Schicksale der Juden Kassels 1933 – 1945“. Ein Gedenk- und Forschungsprojekt des Stadtarchivs Kassel

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann Anfang 1933 wie im gesamten Deutschen Reich auch in der Stadt Kassel die sich stetig und unheilvoll radikalisierende Entrechtung, Ausgrenzung, Terrorisierung und Verfolgung von jüdischen und von den Nationalsozialisten als jüdisch verfolgten Menschen, welche in der Shoah, dem Völkermord an den europäischen Jüdinnen und Juden, ihren grausamen Höhepunkt fand. Diese Menschen waren als Bürgerinnen und Bürger und als Nachbarinnen und Nachbarn fester Bestandteil der Kasseler Stadtgesellschaft, ihres Alltags, ihrer Kultur, Wirtschaft und Geschichte. Wer diese Menschen waren und wie sich die nationalsozialistische Verfolgung in die Vita dieser Menschen einschrieb, erarbeiteten Beate Kleinert und Wolfgang Prinz erstmals in dem 1986 vom Magistrat und dem Stadtarchiv der Stadt Kassel herausgegebenen Gedenkbuch mit dem Titel „Namen und Schicksale der Juden Kassels 1933 – 1945“ in mühevoller Arbeit.


Das analoge Gedenkbuch

Das Gedenkbuch aus den 1980er Jahren umfasst die Namen von rund 3.500 jüdischen und als jüdisch verfolgten Bürgerinnen und Bürger Kassels, die in Verbindung mit dem 30. Januar 1933 oder nach dem 30. Januar 1933 bis zum Einmarsch amerikanischer Truppen im April 1945 für mindestens ein Jahr ohne Unterbrechung in Kassel gemeldet waren. Dem Konzept entsprechend wurden die Namen all jener Personen in der Publikation aufgeführt, die jüdischen Glaubens waren sowie die Namen von Personen, die im Sinne der sogenannten „Nürnberger Gesetze“ von den Nationalsozialisten als jüdisch erklärt und verfolgt wurden und im Zuge der Verfolgungsmaßnahmen umkamen. Diese Namen finden sich in Listen mit der Nennung von Beruf und Wohnort in Kassel sowie in 1.007 biografischen Skizzen zu jenen Personen, die nach dem Stand der Forschung der 1980er Jahre die Shoah nicht überlebten – die von den Nationalsozialisten ermordet wurden, im Zuge der Verfolgungsmaßnahmen verstarben, die in ihrer Verzweiflung Suizid begingen, nach ihrer Befreiung an den unmittelbaren Folgen der nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahmen starben, die für Tod erklärt wurden oder als verschollen gelten. Bei der Darstellung des Schicksals der Todesopfer wurde neben der Sammlung aller wichtigen personenbezogenen Daten besonderer Wert auf die Nennung der Wohnsitze der betroffenen Personen in Kassel gelegt. Das Schicksal dieser Kasseler Bürgerinnen und Bürger sollte möglichst von Straße zu Straße bis in die nationalsozialistischen Ghettos sowie Konzentrations- und Vernichtungslager nachgezeichnet werden können.

Nur bei rund einem Viertel der Schicksalsbiografien gelang die Ergänzung der Personendaten durch historische Fotografien. Überwiegend wurden hierfür Passfotografien aus sogenannten „Jüdischen Kennkarten“ entnommen, die im Sinne des Kennkartenzwanges für jüdische Menschen heute als Dokumente der nationalsozialistischen Verfolgung gelten. Auch die biografischen Skizzen fielen meist kürzer aus, als es sich die Autorinnen und Autoren des Kasseler Gedenkbuchs wünschten – mit der Verfolgung und dem Tod der jüdischen und als jüdisch verfolgten Kasseler Bürgerinnen und Bürger gingen auch die Zeugnisse über sie verloren – „[d]ort wo Familien ausgerottet wurden, kann kein Verwandter mehr erzählen“.

Bis heute ist das Kasseler Gedenkbuch eines der wenigen Werke, welches sowohl die Schicksale jüdischer und als jüdisch verfolgter Personen, die die Shoah nicht überlebten, in Kurzbiografien darstellt als auch jüdische Personen namentlich aufführt, die die Zeit des Nationalsozialismus unter anderem durch Emigration, im Versteck oder in Haft überlebten.


Die digitale Neuauflage

Rund drei Jahrzehnte nach der Veröffentlichung des Kasseler Gedenkbuchs beschloss die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Kassel die Überarbeitung dieses Werkes. Da die Forschung seit den 1980er Jahren weitere Erkenntnisse vorgebracht und sich die Zugänglichkeit von Quellenmaterial deutlich verbessert hat, sollte nun die Möglichkeit genutzt werden, die vorliegenden Daten einer wissenschaftlichen Überprüfung und gegebenenfalls Korrektur und Ergänzung zu unterziehen, bestehende Lücken zu schließen und bisher unbekannte und fehlende Biografien zu identifizieren. So sollten neue Erkenntnisse zur Diskriminierung, Entrechtung und Verfolgung der jüdischen und von den Nationalsozialisten als jüdisch verfolgten Bürgerinnen und Bürger Kassels zusammengetragen werden.

Damit die Ergebnisse dieser Arbeit weltweit und niedrigschwellig zugänglich sind, hat sich die Stadt Kassel dazu entschieden, die überarbeiteten und aktualisierten Daten in Form eines Digitalen Gedenkbuches zu veröffentlichen. Diese Form der Veröffentlichung ermöglicht interessierten Personen einen schnellen und einfachen Zugang zu den Forschungsergebnissen. Detaillierte Suchmasken erlauben die Recherche nach Personen, Daten, Orten und Schlagworten und machen neue Blicke auf die Verfolgungsgeschichte der jüdischen und von den Nationalsozialisten als jüdisch verfolgten Kasseler Bürgerinnen und Bürger möglich. Das Format des Digitalen Gedenkbuchs gestattet es, Aktualisierungen von Informationen und das Einpflegen von neuen Forschungsergebnissen fortlaufend und zeitnah durchzuführen. Außerdem bieten sich vielfältige Möglichkeiten zur pädagogischen Nutzung durch Schulen und andere pädagogische Einrichtungen an. Dabei soll das Digitale Gedenkbuch eine Plattform sein, die die Namen und Schicksale der jüdischen und als jüdisch verfolgten Bevölkerung Kassels zwischen 1933 und 1945 in das Gedächtnis der Stadt Kassel einbettet und die uns als Gesellschaft mahnt, das Leid der Verfolgten aktiv in das Bewusstsein der Gegenwart und Zukunft zu tragen.

Im Stadtarchiv Kassel wurden die Fäden der Arbeiten aus den 1980er Jahren mithilfe der Vorarbeiten von Antje Goebel und Karolin Kruse durch die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Nicole Tödtli (Juni 2021 – Juli 2022) und Anika Manschwetus (ab Dezember 2022) sowie die studentische Hilfskraft Rosalie Behling (August 2023 – Dezember 2023, April 2024 – August 2024) wieder aufgenommen und die Arbeit an dem reaktivierten Gedenk- und Forschungsprojekt begonnen.

Der Überführung der ausschließlich in analoger Form vorliegenden Daten aus dem Gedenkbuch in eine übersichtlich strukturierte digitale Datenbank folgte die eingehende Überprüfung sowie, wenn nötig, die Korrektur, Aktualisierung und Ergänzung der vorliegenden Daten. Dabei wurde das Grundkonzept des analogen Kasseler Gedenkbuches für die digitale Neuauflage übernommen und nur stellenweise erweitert. Wegweisend war hier die Entscheidung zur Nacherhebung der Geburtsdaten, -orte und -namen sowie – wenn bekannt – Sterbedaten und -orte aller im analogen Gedenkbuch aufgeführten Personen, zu denen keine Kurzbiografie vorlag – also rund 2.500 Personen. Dies soll eine zweifelsfreie Identifikation der Betroffenen ermöglichen. Außerdem wurde festgelegt, dass für alle jüdischen Bürgerinnen und Bürger die zwischen 1933 und 1945 ins Ausland auswanderten beziehungsweise fliehen konnten, – so bekannt – Datum und Destination der Emigration erfasst werden. Diese Informationen konnten bei rund 1.600 Personen nacherhoben werden. Zu Personen, die Opfer eines verfolgungsbedingten Todes wurden oder deren Schicksal bis heute nicht geklärt werden konnte, sollten im Zuge der Erstellung des Digitalen Gedenkbuchs weiterhin neben Grunddaten wie Namen, Geburtsdaten und Beruf alle belegbaren Informationen zu Inhaftierungen, Deportationen, Adressen in Kassel, Verzüge aus Kassel ins In- und Ausland sowie nach Möglichkeit weitere biografische Informationen erhoben werden, dies betrifft aktuell 1.122 Personen.

Angelehnt an das Konzept des analogen Kasseler Gedenkbuches aus den 1980er Jahren gliedert das Digitale Gedenkbuch Kassels anhand der den Lesenden zur Verfügung gestellten Daten ebenfalls die Schicksale der jüdischen und als jüdisch verfolgten Bürgerinnen und Bürger Kassels auf – so werden weiterhin die Namen aller in der in der NS-Zeit oder in Verbindung mit dem 30. Januar 1933 für mindestens ein Jahr durchgehend in Kassel gemeldeten jüdischen Personen, die bis dato bekannt sind, genannt, sowie skizzenhafte Kurzbiografien zu jüdischen und als jüdisch verfolgten Kasseler Bürgerinnen und Bürger ausgearbeitet, die die Shoah nicht überlebten. Eine Neuerung im Digitalen Gedenkbuch Kassels ist, dass hier außerdem ungeklärte Schicksale als solche kenntlich gemacht werden. Wurde im Kasseler Gedenkbuch aus den 1980er Jahren noch nicht dargestellt, welche Personenschicksale zum Zeitpunkt der Drucklegung nicht geklärt werden konnten, so sind diese im Digitalen Gedenkbuch Kassels als „ungeklärte Schicksale“ erkennbar. Im Zuge der Überprüfung und Aktualisierung konnten von den rund 500 ungeklärten Personenschicksalen, die sich in den Namenslisten des Kasseler Gedenkbuchs aus den 1980er Jahren verbargen, rund 400 geklärt werden. Die Recherchen brachten zutage, dass 127 dieser Personen im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahmen umkamen, was traurigerweise einen Zuwachs an Opferbiografien um mehr als zehn Prozent bedeutet. Für 91 Personen konnten die Recherchen bisher keine neuen oder keine auf vertrauensvollen Quellen basierenden Erkenntnisse zum Schicksal der gesuchten Personen zu Tage fördern. Hier erhoffen wir uns die Klärung von weiteren Schicksalen im Zuge der Veröffentlichung des Digitalen Gedenkbuches.

Rund 100 Namen aus dem analogen Gedenkbuch finden sich nicht mehr im Digitalen Gedenkbuch der Stadt Kassel wieder, da es sich hierbei beispielsweise um Namensdopplungen oder Personen, die nicht jüdischer Konfession waren, handelte. Nach sorgfältiger Prüfung mussten außerdem 14 der 1.007 in den 1980er Jahren erarbeiteten Schicksalsbiografien aus dem Gedenkbuch herausgenommen werden. Dabei handelte es sich um Kurzbiografien zu Personen, die doppelt im Gedenkbuch aufgeführt worden waren, die die Shoah überlebten, keinen verfolgungsbedingten Tod erlitten oder in der NS-Zeit nicht oder kein Jahr durchgehend in Kassel gemeldet waren.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung finden sich ausschließlich Namen und Schicksale jener Personen im Digitalen Gedenkbuch Kassels, die auch im analogen Gedenkbuch aus den 1980er Jahren aufgeführt wurden. Im Zuge der Recherchen zur Überprüfung und Aktualisierung des analogen Gedenkbuches wurden bis dato rund 350 weitere Namen von Personen identifiziert, deren Schicksale nachträglich geprüft werden müssen und die dem Konzept entsprechend gegebenenfalls ebenfalls in das Digitale Gedenkbuch Kassels eingepflegt werden sollen. Die Arbeit an dem Digitalen Gedenkbuch ist also mit der Veröffentlichung der Daten aus dem analogen Gedenkbuch nicht abgeschlossen – neue Informationen zu bereits im Gedenkbuch aufgeführten Schicksalen sollen stetig nachgepflegt werden und weitere Namen und Schicksale im Zuge eines "ongoing", sprich laufenden Projektes, stetig hinzugefügt und ergänzt werden. Somit wird das Digitale Gedenkbuch stets einen prozesshaften Charakter haben und Teil einer aktiven Erinnerungs- und Gedenkarbeit der Stadt Kassel sein. In diesem Sinne ist zu beachten, dass die hier aufgeführten Zahlen nach der Veröffentlichung des Digitalen Gedenkbuchs variieren können, wenn im Zuge der offenen Personenrecherchen oder durch Rückmeldungen aus der Gesellschaft bis dato unbekannte Biografien und Schicksale identifiziert werden. Gleichwohl ist zu betonen, dass die hier erhobenen Daten trotz aller Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit Fehler und Lücken aufweisen können.

Auf die Reproduktion der rund 250 Passfotografien von jüdischen und als jüdisch verfolgten Kasseler Bürgerinnen und Bürger, die im analogen Kasseler Gedenkbuch abgedruckt wurden, musste im Digitalen Gedenkbuch Kassels vorerst verzichtet werden. Die Bilder hatten im Zuge der Verkündung der Kennkartenpflicht für jüdische Menschen im Jahr 1938 angefertigt werden müssen, womit ihnen ein gewisser Zwangscharakter innewohnt. Des Weiteren ließen sich die Rechte an den Bildern bis dato nicht klären – war dies in den 1980er Jahren kein Hindernis für ihre Veröffentlichung, so stellt es heute durch eine Urheberrechtsnovelle aus den 1990er Jahren noch bis mindestens in das Jahr 2038 ein Problem dar.

Familienverhältnisse von Opfern der Shoah konnten im Zuge der Recherchen nur bruchstückhaft geprüft, korrigiert und aktualisiert oder neu erhoben werden. Die Überlegungen über die Darstellung der Familienverhältnisse und die Arbeiten hieran sind noch nicht abgeschlossen. Problematisch ist hier insbesondere die oftmals unvollständige und in manchen Fällen irreführende oder fehlerhafte Wiedergabe der Familienstrukturen im analogen Gedenkbuch und den recherchierbaren Quellen.

Des Weiteren werden alle Namen und Informationen zu jenen Personen, die die Shoah überlebten und deren personenbezogene Daten noch dem Datenschutz unterliegen erst nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfristen in das Digitale Gedenkbuch eingefügt.


Quellengrundlage & Arbeitsweise

Jeder im analogen Gedenkbuch aufgeführte Name und jedes dort in einer biografischen Skizze dargestellte Schicksal wurde im Zuge des Forschungsprojektes eingehend geprüft und gegebenenfalls aktualisiert und/oder korrigiert. Dabei wurde stets angestrebt, auf historisches Quellenmaterial zurückzugreifen und dieses quellenkritisch auszuwerten, um die Daten, Schicksale und Leidenswege der betroffenen Personen so eindeutig und detailliert wie möglich nachzeichnen zu können. Informationen aus älteren Publikationen und anderen Gedenkbüchern wurden hierbei als Wegweiser, jedoch nicht als eigenständige Quellen genutzt, da diese mitunter revisionsbedürftige Informationen enthalten.

Geburts- und Sterbedaten sowie die Schreibweise von Namen wurden nach Möglichkeit und Verfügbarkeit aus Personenstandsunterlagen wie Geburts-, Heirats- und Sterberegistern entnommen. War dieser Quellentyp für die betroffene Person nicht verfügbar, wurde auf andere behördliche Dokumente wie Hausstandsbücher und Einwohnermeldekarten zurückgegriffen. Bei der Angabe von Todesdaten wurden nur amtliche Unterlagen verwendet. Wenn Personen deportiert wurden und keine Hinweise zu einem Überleben vorfindbar sind wurde auf die Angabe „verschollen“ oder „für Tod erklärt“ verzichtet. Wenn bis zum jetzigen Zeitpunkt kein Hinweis auf ein Überleben besteht, muss leider angenommen werden, dass die betroffene Person im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahmen umgekommen ist. Außerdem wurden – so bekannt – Rufnamen erhoben und in Klammern hinter den bezeichneten Vor- und Nachnamen gesetzt. Insbesondere ausländische und/oder ungewöhnliche Vor-, Nach- und Ortsnamen können in ihren Schreibweisen im Quellenmaterial fehlerhaft verzeichnet und somit auch fehlerhaft in das Digitale Gedenkbuch übernommen worden sein. Manche der bezeichneten Orte existieren heute nicht mehr unter den aufgeführten historischen Namen, andere haben sogenannte Namensvetter und können daher nicht eindeutig lokalisiert werden. Ähnlich verhält es sich mit Straßennamen, welche sich im analogen wie auch im Digitalen Gedenkbuch an den historischen Meldedaten aus dem Jahr 1933 orientieren. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass durch die Kriegseinwirkungen und den Wideraufbau der Stadt Kassel heute komplette Straßenzüge nicht mehr existieren und/oder die Hausnummerierungen nicht mehr übereinstimmen. Außerdem tragen einige Straßen durch Umbenennungen heute andere Namen. Ein Überblick über die alten und neuen Straßennamen findet sich unter www.kassel.de/statistik/StrvzKS_A_Z_hist.pdf, die alten Straßenzüge können über die digital zur Verfügung gestellten historischen Karten des Geoportals der Stadt Kassel unter geoportal.kassel.de eingesehen und mit der heutigen Stadttopografie abgeglichen werden.

Geprägt waren die Tätigkeiten um die Überarbeitung und Erweiterung des Kasseler Gedenkbuches von umfangreichen Archivrecherchen. Um die Schicksale möglichst präzise nachzeichnen zu können, wurde unter anderem auf die hausinterne Infrastruktur des Stadtarchivs mit Quellen wie beispielsweise Standesamtsregistern, Meldekarten und Hausstandsbüchern zurückgegriffen. Hinweise zu den Lebenswegen, zur Verfolgung durch das nationalsozialistische System und den Schicksalen der zu überprüfenden Personen versprach außerdem der hauseigene Sammlungsbestand zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Kassel, welcher aus verschiedenen Projekten und Forschungsarbeiten zu dieser hervorging.

Ergänzt wurden die Recherchen durch die Zusammenarbeit mit externen Institutionen. Federführend und besonders hervorzuheben war hier die Kooperation mit den Arolsen Archives (International Center on Nazi Persecution) (arolsen-archives.org) welche dem Stadtarchiv Kassel für die Recherche aus der Ferne einen Remote Access auf ihre interne Datenbank zur Verfügung stellten und aufgrund ihres überwältigenden Archivbestandes zu den Opfern und Verfolgten des Nationalsozialismus eine der wichtigsten Anlaufstellen zur Ergänzung und Korrektur der vorliegenden Daten darstellte. Des Weiteren war neben der breit aufgestellten Kommunikation mit anderen Stadt- und Landesarchiven im In- und Ausland sowie dem Bundesarchiv der Austausch mit Organisationen, wie zum Beispiel der Gedenkstätte Breitenau (gedenkstaette-breitenau.de) dem Verein Stolpersteine in Kassel e. V. (www.kassel-stolper.com) und dem Sara Nussbaum Zentrum für Jüdisches Leben (sara-nussbaum-zentrum.de) wertvoll, um weitere Hinweise und Informationen offenlegen und ihnen nachgehen zu können. Auch der Austausch mit in der Kasseler Erinnerungskultur aktiven Akteurinnen und Akteuren wie beispielsweise Wolfgang Matthäus, Gabriela und Ilana Katz, Prof. em. Dr. Dietfried Krause-Vilmar und dem Hauptautor des Kasseler Gedenkbuches aus den 1980er Jahren, Wolfgang Prinz, war äußerst hilfreich und bestärkend.

Das aus der Überarbeitung und Aktualisierung entstandene Digitale Gedenkbuch ist ein wichtiger Beitrag zur aktiven Erinnerungskultur der Stadt Kassel. Das Gedenkprojekt soll an die durch das nationalsozialistische Regime verfolgten und ermordeten jüdischen und als jüdisch verfolgten Kasseler Bürgerinnen und Bürger erinnern und ihre Schicksale erzählen. Zugleich ist es als ein Appell für ein respektvolles, tolerantes und demokratisches Zusammenleben und Miteinander zu sehen. Auch in unserer heutigen Gesellschaft sind Ausgrenzung, Hass, Rassismus und Antisemitismus präsent. Die rassistisch-nationalistisch motivierten Morde an Halit Yozgat und Walter Lübcke geben hiervon ein beredtes Zeugnis. Dieses Digitale Gedenkbuch ist also ein Ort des Erinnerns und Gedenkens und gleichermaßen ein Ort der Mahnung und der Sensibilisierung.